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Interview zum Saisonstart

Die ersten 2 Saisonspiele sind absolviert. Wie fällt dein Fazit aus?


FT: Wir haben beide Spiele verdient verloren. Wir hatten in beiden Partien gute Phasen. Im ersten Spiel war ich mit der Defensive inklusive Torhüter zufrieden. Dafür hat es offensiv gehakt. Im zweiten Spiel war es dann genau andersherum auch wenn die Vorzeichen andere waren. Pfullingen ist natürlich ein Topteam, doch in Neuhausen haben wir uns durchaus etwas ausgerechnet. Die Ausfälle von Alex Kubitschek und Vasyl Havriluk im ersten Spiel waren noch hinnehmbar. Das zusätzliche Fehlen von Roy James in Neuhausen war aber schlussendlich nicht zu kompensieren. Da hat uns defensiv dann doch Einiges an Stabilität gefehlt.

Was nimmt man aus den zwei Niederlagen mit in die nächsten Spiele?

FT: Es langt in dieser Liga einfach nicht, wenn du nur 40 Minuten guten Handball spielst. Um die Topteams zu schlagen, brauchst du als Aufsteiger eine Leistung am Optimum. Im ersten Spiel waren wir viel zu uneffizient im Abschluss und im zweiten Spiel haben wir zahlreiche technische Fehler gemacht. Unser Überzahlspiel muss dringend besser werden. Daran müssen wir arbeiten.

Gibt es auch positive Aspekte?


FT: Natürlich. Unsere 6:0 Abwehr hat im ersten Spiel sehr gut funktioniert. Im zweiten Spiel hat die offensive Variante am Ende gut ausgesehen. Da sieht man eine Entwicklung. Wir sind nicht nur von unserer 6:0 Variante abhängig. Das Tempospiel in Neuhausen hat auch gut ausgesehen. Auch das gab es in der Vergangenheit so nicht. Wenn wir weniger Fehler machen, können wir da auch mal an die 40 Tore erzielen. Dafür fehlt uns die nötige Abgeklärtheit in Schlüsselmomenten das Spiel besser zu steuern und vielleicht zu drehen. Diese Spielertypen fehlen uns noch. Wir können uns aber keinen solchen Spieler dazuholen. Deswegen müssen wir ihn uns backen und versuchen, unsere Spieler dahin zu entwickeln. Das ist ein Prozess. Das Problem an der Sache, wir haben in dieser brutal starken Liga eigentlich keine Zeit dafür.


Du hast es angesprochen. Externe Verstärkungen sind nach dem Aufstieg Fehlanzeige.


FT: Wir hatten und haben derzeit nicht die wirtschaftlichen Mittel, uns extern zu verstärken. Es war für den Verein schon ein Kraftakt, den Aufstiegskader zusammenzuhalten. Das geht natürlich auf Kosten potenzieller Neuzugänge. Zudem werden die Verhandlungen heutzutage schon im November geführt. Da sagt dir kein starker Spieler mit 3.Liga Niveau zu, ohne zu wissen, dass du wirklich aufsteigst. Der Aufstieg hat sich ja erst im Mai entschieden.

Welche Art von Neuzugang hättest du dir gewünscht wenn etwas möglich gewesen wäre?


FT: Starke Linkshänder sind auf dem Markt kaum zu haben und wenn, dann sind sie normalerweise zu teuer für uns. Daher wäre ein weiterer Rückraumspieler mit Erfahrung, der unser Spiel steuert und uns über kritische Phasen bringt, vermutlich am sinnvollsten gewesen. Aber wenn und aber gibt es nicht.

Trotzdem wird die TGS wie auch Waiblingen und München vereinzelt als finanzstarker Aufsteiger tituliert?


FT: So Stimmen gibt es doch immer wieder. Ich weiß nicht woher es immer wieder Leute gibt die meinen, den Etat anderer Vereine zu kennen. Ich meine die Tranferpolitik zeigt ja alleine schon deutlich das Gegenteil. Meines Wissens hat sich in Waiblingen genauso wie bei uns personell nichts Großes getan. In München kam mit Yannick Engelmann ein Spieler aus Fürstenfeldbruck, den ich erstens sehr schätze und zweitens aus dem Münchner Umfeld kommt. Daher ist diese Verpflichtung nachvollziehbar und mit Sicherheit vom wirtschaflichen Aufwand machbar. Ich kenne Zahlen auch nur vom Hörensagen. Neuverpflichtungen sagen schon Einiges aus über die Etats und Mögklichkeiten anderer Vereine. Oppenweiler ist mit Sicherheit finanziell gut unterwegs, Konstanz bietet 2. Liga Struktur im Umfeld und auch Würzburg als Absteiger aus der 2. Bundesliga ist bestimmt eine gute Adresse. Auch der Kader von Leutershausen kann sich sehen lassen. Ich schaue da natürlich neidisch rüber, aber das ist null negativ behaftet. Ich habe großen Respekt und Anerkennung übrig für die Vereine, die gute Rahmenbedingungen schaffen.


Was kann die TGS dagegenhalten, um das vielleicht auszugleichen?


FT: Erstens haben wir natürlich mit dem Klassenerhalt eine komplett andere Zielsetzung als diese Vereine. Ich denke wir sind ein familiärer Verein, in dem einen auch abseits des Spielfeldes geholfen wird. Das ist viel wert. Die medizinische Abteilung ist bei uns top und arbeitet am Limit. Da sind die Spieler perfekt aufgehoben und bekommen viel abgenommen. Ich glaube mit unserem Trainerstab Michal Wysokinski (Co-Trainer) und Anna Wysokinska (Torwarttrainierin) sind wir schon im oberen Drittel der 3. Liga anzusiedeln. Es ist überragend wenn du Leute hast, die selbst gute Spieler und Profis waren. Die können da einiges einbringen. Anna hat auch ihr DHB Zertifikat im Torhüterbereich mit Bravour bestanden. Da können wir uns schon sehen lassen.

Du hast gerade den Aufstieg angesprochen. Ihr habt vermutlich in der schwersten Oberligasaison (5 Absteiger aus Liga 3 und 34 Spiele) den direkten Wiederaufstieg geschafft. Das Ganze nach einem riesigen Umbruch und zahlreichen Verletzungen. Für dich in deinem ersten Jahr als Trainer, konnte es kaum einen besseren Start geben. Ihr habt etwas möglich gemacht, von dem Viele lange reden und auch viel Zeit brauchen, es zu realisieren. Hast du das Ganze schon verarbeitet und an welche Momente denkst du gerne zurück?

FT: Kurz und knapp: Nein! Dafür war und ist wie so oft im Sport zu wenig Zeit. Ich habe versucht so viel wie möglich aufzusaugen, aber der Zeitraum war viel zu kurz. Für mich war es natürlich ein Traumstart, aber es war eben auch viel Arbeit und ich habe mir extrem viel Druck gemacht. Normalerweise braucht man für eine Meisterschaft inklusive Aufstieg das nötige Quäntchen Glück. Davon hatten wir eigentlich nichts. Wir mussten mit David Kautz, Raphael Blum und Davor Sruk 3 Topspieler jeweils über 3 und 4 Monate ersetzen, zudem fiel Torhüter Victor Antoine 6 Monate mit Kreuzbandriss aus. In den direkten Duellen gegen Topteams wie Plochingen, Waiblingen und Blaustein mussten wir noch andere Rückschläge verkraften. Die knappen Siege die wir hatten waren zu 90% hochverdient, da wir die Spiele eigentlich in der 50. Minute schon im Sack hatten. Die Erinnerung an den überragenden direkten Freiwurf von Lennart Cotic und das letzte Heimspiel mit der "weißen Wand" bleiben immer in Erinnerung. Als wir auf der Bank die Nachricht bekamen, dass Plochingen im Parallelspiel verloren hat, war die Stimmung in mir extrem. Da sind so viel Gefühle auf einmal hochgekommen. Ich wusste gar nicht wohin mit mir. Ein Mix aus Freude, Glück, Stolz aber auch pure Erleichterung und Druckabfall. Schwierig zu beschreiben.

Warum hat es trotzdem gelangt?


FT: Ich glaube wir haben einfach in vielen kleinen Bereichen diese großen Lücken gestopft. Trainingsaufwand, Analysen, medizinische Abteilung und mentale Steuerung, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Wir haben einfach und Gott sei Dank die richtigen Knöpfe zur richtigen Zeit gedrückt. Das Einspringen von Ioannis Fraggis, Sven Grathwohl und Jonathan Binder hat uns über die Ziellinie gebracht. Das große Plus war aber ein überragender Teamgeist, gepaart mit der tollen Entwicklung vieler Spieler. Das war einmalig und habe ich als Spieler so nicht erlebt.

Dabei war es lange nicht klar ob du das Traineramt übernimmst...


FT: Ich hatte nach dem beschlossenen Karriereende gleich ambitionierte Anfragen. Ich habe auch lange überlegt, aber ich wollte nicht weg laufen. Der Wille der Mannschaft hat mich überzeugt zu bleiben. Umso schöner, dass es geklappt hat. Jetzt haben wir die Messlatte natürlich hoch gelegt.

Wie schaust du auf dein erstes Jahr als Trainer zurück?


Ich musste schnell und viel lernen und das wird auch so bleiben. Zu Beginn musste ich reflektieren, dass du nicht deinen eigenen Anspruch eins zu eins auf deine Spieler übertragen kannst. Jeder ist individuell und nicht wie du und das ist auch gut so. Zumindest meistens (lacht). Am Anfang wollte ich der Trainer sein, den ich selbst gerne gehabt hätte. Jetzt will ich für jeden einzelnen Spieler der Trainer sein, den dieser Spieler braucht. Man schafft das natürlich nicht zu 100%. Ich mache Fehler und das jeden Tag. Aber ich versuche am nächsten Tag die Fehler nicht zu wiederholen. Es passieren neue Fehler und auch aus denen gilt es zu lernen. Kommunikation ist so ein Wort dass inzwischen relativ inflationär gebraucht wird. Aber es ist eben enorm wichtig. Du musst mit den Spielern anders sprechen als früher, auch wenn es einem manchmal schwer fällt. Trotzdem muss sich jeder Spieler an Regeln und Abläufe halten, die für mich nicht verhandelbar sind. Das sind Dinge wie Professionalität, Disziplin und Leidenschaft.


Wie geht es mit der TGS und dir in Zukunft weiter?

FT: Unser Ziel ist klar der Klassenerhalt und das zu Erreichen wird genauso schwer wie der Aufstieg. Ich glaube, dass beim Gefälle der Liga deutlich weniger Punkte zum Klassenerhalt reichen als in den vergangen Jahren. Dafür benötigen wir die Unterstützung und das Verständnis unserer Zuschauer. Der Verein muss nach wie vor im Helfer und Spielbetriebsumfeld besser und breiter aufgestellt werden, wenn man auf Dauer auf diesem Niveau performen will. Ich persönlich konzetriere und freue mich auf die tägliche Arbeit mit der Mannschaft. Wir haben viele junge Spieler, die sich toll entwickelt haben und auch noch viel Potenzial in sich haben. Das ist eine große Aufgabe und verlangt meine volle Aufmerksamkeit. Persönlich habe ich noch ein Projekt laufen, das auch sehr aufwendig ist. Zudem konnte ich als Freelancer einen Vortrag für Führungskräfte und ihren Umgang mit Mitarbeitern halten. Das hat viel Spaß gemacht, kam gut an und ich hoffe, dass ich das ausbauen kann. In meiner Position als Trainer bin ich schon so ehrlich, dass ich mich zukünftig in einer Profiliga etablieren will.


Noch eine Frage zum Abschluss. Als Spieler warst du sehr abergläubisch. Gibt es solche Anwandlungen auch im Trainerdasein?


FT: Ja (lacht). Ich hatte ein paar Schuhe, das nur zu den Spielen angezogen wurde. Lukas Salzseeler wollte aus den Schuhen das Aufstiegsbier trinken, wenn es mit Aufstieg klappen sollte. Daran haben wir uns gehalten. Die Marotte habe ich aber diese Saison abgelegt. Das Zweite war, dass ich mich nie auf die Siegerfotos aus der Kabine gestellt habe.


Warum das?

FT: Ich denke dass dieser Moment dem Team gehört. Die Jungs kämpfen 60 Minuten und geben alles. Sie holen den Sieg. Da sehe ich mich einfach nicht in der 1. Reihe mit ausgestreckter Faust. Es langt mir, wenn die Jungs wissen, dass ich mit ihnen kämpfe und versuche meinen Anteil zu leisten. Ich hatte diese Momente als Spieler ausreichend. Ich versuche, mich in diesen Momenten im Hintergrund zu halten. Trotz allem hoffe ich, dass wir natürlich schnell wieder ein Siegerbild aus der Kabine bekommen.

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